VILLA MASINI: Drehort von Benignis Film

Wer erinnert sich nicht an den Augenblick im Film “Das Leben ist schön”, als Roberto Benigni alias Guido auf einem grün bemalten Schimmel in die Verlobungsfeier platzt und seine “Prinzessin” Dora zu sich nach Hause entführt? Die Orangerie, vor der das Pferd anhält, steht in Montevarchi und gehört zu einer in Pestello außerhalb des Stadtkerns gelegenen Jugendstilvilla, die hier nur als Casa del Nonno (Großvaters Haus) bekannt ist. Roberto Benigni erhielt 1999 drei Oscars für “Das Leben ist schön”.

Tor

Schmiedeeisernes Eingangstor

Als ich durch das Eingangstor mit schmiedeeiserner Rosendeko den Garten der Villa betrete, bin ich zuerst verwundert, mitten in der toskanischen Provinz ein Jugendstiljuwel zu finden. Die Limonaia vor mir ist dekoriert mit fantasievollen Drachen als Lampenhalter. Davor steht ein Brunnen mit anmutiger Primavera-Statue von Pietro Guerri.

Marcello Bossini und die Associazione Villa masini bemuehen sich darum, die Villa zu erhalten und zugaenglich zu machen

Marcello Bossini und die Associazione Villa Masini bemühen sich darum, die Villa zu erhalten und zugänglich zu machen

Als mir dann Marcello Bossini von der „Associazione Villa Masini“ die Geschichte der Villa erzählt, wird mir klar, dass die Villa ein echtes Stück Geschichte von Montevarchi darstellt. Marcello organisiert von Mai bis Juli und manchmal auch im Herbst Führungen durch die Villa, die heute noch im Privatbesitz der Nachfahren des Erbauers Angelo Masini ist.

Die Familie Masini stammte aus kleinen Verhältnissen und hatte es zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit ihrer Hutfabrik “La Familiare” zu ansehnlichem Wohlstand gebracht. Als Angelo Masini die Villa – in Sichtweite zu seiner Fabrik – konzipierte, hätte er einfach eine prachtvollere, protzigere Villa im Geschmack der damaligen Zeit hinstellen können. Tat er aber nicht.

Villa Masini

Villa Masini

Ihn faszinierte die Kunst, die er in Paris gesehen hatte. Und er interessierte sich für asiatische Pflanzen. Das Fremdländische machte ihm keine Furcht, im Gegenteil. So holte er die besten Architekten und Handwerker aus der Gegend und schuf ein eklektisches Jugendstilhaus und einen bemerkenswerten Garten samt Tempel mit Wasser speienden Tierfiguren und einer Voliere.

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Dass die Epoche des Jugendstils in Europa eigentlich schon vorbei war, interessierte ihn nicht. In Montevarchi jedenfalls war man schwer beeindruckt von der ungewöhnlichen Villa. Weitere Villen und Gebäude im gleichen Stil entstanden, sie finden sich in der ganzen Stadt verstreut – leider oft in keinem guten Zustand – und erinnern an eine Zeit, als Montevarchi ein „Wirtschaftswunder“ erlebte.

Im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss

Anrührend finde ich, dass der Geschäftsmann Masini an jeder Ecke ornamentale Details und Symbole verwendet hat, die seine Liebe zu seiner zweiten Frau ausdrücken. Die Villa wurde 1927 fertig gestellt. Die Frau Masinis starb vorher und hat die Villa nie vollendet gesehen.

Als Unternehmer ging Angelo Masini in seiner Tätigkeit auf und hat seine Maximen auch immer wieder in der Villa verewigt. Im Treppenhaus mahnt ein Fenstermosaik “per non dormire” – stets hellwach zu sein.

Fenster im Treppenhaus der Villa

Fenster im Treppenhaus der Villa

Dass die Orangerie und Villa Masini im Film erscheinen, ist dem bloßen Zufall zu verdanken. Der Ausstatter Benignis hatte sich verfahren, sah zufällig mehrere Jugendstilgebäude und fragte in einer Buchhandlung nach Einzelheiten. Dort rief man Marcello Bossini. Von der Villa Masini sind nicht nur die Orangerie im Film zu sehen, sondern auch die Außenansicht und ein Schlafzimmer – in der Szene als Dora sich weigert, das Bett zu verlassen um ihre Verlobung zu verkünden.

schlafzimmer

Drehort einer Szene aus „Das Leben ist schön“

Das Innere der Villa besteht aus drei Stockwerken, die jeweils als Zeichen der Vollkommenheit oktagonal geschnitten sind. Im untersten Stockwerk befinden sich verschiedene Salons und Aufenthaltsräume, sowie das Speisezimmer mit zwei Werken von Vasarri im Stil der Neurenaissance.

Zwei Gemalder von Vasarri befinden sich im Speisezimmer

Getafelt wurde unter einem Gemälde von Vasarri

Im oberen Stockwerk – ebenfalls im Oktagonschnitt – befinden sich die Schlafzimmer und Bäder. Darüber wohnte die Dienerschaft. Das Schöne an diesem Privathaus ist, dass man die Zeit förmlich atmet, in der es erbaut wurde. Nichts wurde verändert, Zimmer, Möbel, Lampen, bis hin zu Details wie Geschirr und sogar die Lichtschalter und der Speisenaufzug sind original 20er Jahre. Wer die Gelegenheit hat, die Villa zu besichtigen, sollte diese ergreifen. Bei Interesse an einer Besichtigung könnt ihr euch gerne an mich wenden.

Auch die Fassade wurde liebevoll dekoriert

Auch die Fassade des Hauseingangs wurde liebevoll dekoriert