SALTINO VALLOMBROSA: Ein Ort der Begegnung

Nur 40 km von Florenz entfernt liegt auf 1000 Höhenmetern der “Florentiner Hausberg” mit dem schnuckligen kleinen Luftkurort Saltino, der eine erstaunliche, beinahe 140jährige Geschichte in Sachen Tourismus vorweisen kann.

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Häuser im Chaletstil kennzeichnen die besondere Architektur von Saltino.

Saltino ist eingebettet in den 1200-Hektar Wald von Vallombrosa. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde der Berg von Engländern auf den Spuren von Miltons “Verlorenem Paradies” entdeckt:

“(…) Nathless he so endured, till on the beach
Of that inflamed sea, he stood and called
His Legions, angel forms, who lay entranced
Thick as autumnal leaves that strew the brooks
In Vallombrosa, where the Etrurian shades
High overarched embower (…)”

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Ein interessanter architektonischer Stilmix charakterisiert Saltino

Die ersten Tourismusunternehmer bauten im ausgehenden 19. Jahrhundert Luxushotels und eine Zahnradbahn, welche die Besucher auf dem direktesten Weg vom Tal in die Höhe hievte. In den folgenden Jahrzehnten wurde Saltino – das wegen seines eigenen, chaletartigen Baustils auch den Beinamen “die Schweiz Italiens” trug – zum Treffpunkt und sommerlichen Ausflugsziel der Adligen und des Königshauses. Noch heute erinnern die Namen der Hotels, wie “Croce di Savoia” an diese Zeit. Auch das italienische Parlament zog sich im heißen Sommer hierhin zurück um zu tagen.

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Abtei von Vallombrosa und darüber das „Paradisino“ (kleines Paradies), in dem heute auch Aus- und Fortbildungen der Fakultät für Forstwirtschaft stattfinden

Ein unermesslicher Schatz ist die nur einen Kilometer entfernte Abtei von Vallombrosa, die vom Hl. Giovanni Gualberto im 11. Jahrhundert gegründet wurde. Galileo Galilei hat hier als Jugendlicher studiert, was durch Zeugnisse des Abts Diego De‘ Franchi und des Mönchs Orazio Morandi hinreichend belegt ist. Noch heute gilt die Bibliothek der Abtei mit Handschriften, Messbüchern und den in limitierten Auflagen gedruckten Büchern aus dem 16. Jahrhundert als Ort des Wissens und der Kultur. Sechs Mönche des vallombrosanischen Benediktinerordens leben ganzjährig in der Abtei und bieten in den Sommermonaten Seminare zu spirituellen Themen an.

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Die monumentale Küche der Abtei

Die Basilika der Abtei, in der im Sommer regelmäßig Konzerte stattfinden, ist mit Fresken u.a.  von Lorenzo Lippi und Giuseppe Antonio Fabbrini, einem Alabastergipsaltar von Enrico Hugford und Terrakottawerken aus der Werkstatt Andrea della Robbias dekoriert. Im Museum für Sakrale Kunst kann man u.a. eine Madonna von Domenico Ghirlandaio besichtigen.

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Die Bibliothek von Vallombrosa birgt einen Schatz. Hier studierte schon Galileo Galilei.

Gleich nebenan entdeckt man den Eingang zu einer der größten Baumschulen Italiens (1800 Bäume aus der ganzen Welt, die hier seit dem 19. Jahrhundert zu Forschungszwecken angepflanzt wurden). Im Sommer finden täglich Führungen statt.

Vor der Abtei erstreckt sich der sogenannte “Pratone” (große Wiese). Hier finden sich die Familien sonntags zu einem Picknick ein. Ein Kinderspielplatz und ein “Kapellenpfad” runden die Lokalität ab. Von hier aus beginnen außerdem Wanderwege und Mountainbiketrails, die bis zum Gipfel des Berges führen.

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Die Wiese vor der Abtei ist im Sommer ideales Ausflugsziel für Familien

Saltino – Vallombrosa ist ein besonderer Ort des Rückzugs und der Einkehr, wo „etrurische Schatten“, wie Milton es ausdrückte, gleich einer Laube vom hastigen Leben ringsum abschirmen und inspirieren. Ein Ort, an dem die Natur ihre ganze Schönheit offenbart und der doch von Menschenhand geformt wurde, denn die Wälder von Vallombrosa wurden über die Jahrhunderte von den Mönchen angepflanzt und bewirtschaftet. In der Abgeschiedenheit können die erstaunlichsten Begegnungen stattfinden und neue Erkenntnisse erwachsen.


FAMILIE GUICCIARDINI: Pieve a Pitiana, Reggello

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Pieve a Pitiana in Donnini, Ort der Gemeinde Reggello

Wie Perlen an einer Schnur sind entlang der Straße Setteponti von Florenz nach Arezzo die einfachen, aber charmanten Pfarrkirchen aufgereiht, die im Italienischen Pieve heißen. Die erste der Reihe – aus Florenz kommend – ist die malerische Pieve a Pitiana in der Gemeinde Reggello. Dank ihrer wunderschönen Terrasse mit Aussicht auf den Valdarno ist die Kirche heute eine geschätzte Hochzeitslocation.

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Aussicht beinahe bis Florenz

Einiges deutet darauf hin, dass ein erstes Gebäude bereits vor dem Jahr 1000 errichtet wurde. Den Campanile gab es bereits im Jahr 1028. In späteren Jahrhunderten wurde ein Portikus hinzugefügt. In ihrem Inneren birgt sie drei Gemälde von Ridolfo del Ghirlandaio. Eines der drei Gemälde war 1946 illegal vom Pfarrer verkauft worden und wurde erst 1999 von den Carabinieri bei einem Florentiner Antiquitätenhändler wieder ausfindig gemacht und sicher gestellt.

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Der Glockenturm besteht seit fast 1000 Jahren

Direkt an der Pieve ist eine Fattoria angebaut, die der berühmten Florentiner Familie Guicciardini gehört. Die Guicciardini waren seit der Renaissance im 14. Jahrhundert eine der einflussreichsten politischen Stimmen der Stadt. Der Politiker, Schriftsteller und Historiker Francesco Guicciardini, ein Zeitgenosse Macchiavellis, schrieb die Geschichte Italiens in zwanzig Bänden. Im Unterschied zum pessimistischen Macchiavelli entwarf Guicciardini eine positivere Sicht auf den Menschen.

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Guido Guicciardini ist hier aufgewachsen

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg umfassten die Ländereien der Guicciardini um Pieve a Pitiana 1200 Hektar Land, das großenteils aus Olivenhainen, Weinbergen und Wald bestand und vom Fluß Arno im Tal bis zur Bergspitze auf dem Pratomagno reichte. Vor den Guicciardini hatte die Familie der Cavalcanti im 15. Jahrhundert das Gut inne. Hier trafen sich der Humanist Marsilio Ficino mit Cavalcanti und Lorenzo “Il Magnifico”, Mitglieder der “Neuplatonischen Akademie”.

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Erinnerungstafel an die Treffen der „Neuplatonischen Akademie“ zwischen 1469 und 1474