ABSOLUT SEHENSWERT: Das Museo dell’Opera del Duomo

Wer Florenz und seine Bedeutung für Europa verstehen will, sollte sich einen Besuch im Nuovo Museo dell’Opera del Duomo nicht entgehen lassen. Der Dom von Florenz und die Gründung der Opera del Duomo, welche die Bauten an Dom, Baptisterium und Glockenturm vorantrieb, gehen auf das Jahr 1296 zurück.

Dank der Opera del Duomo sehen wir heute die weltgrößte Sammlung an florentiner Skulpturen aus dem Mittelalter und der Renaissance, 750 Werke aus Marmor, Bronze und Silber von Künstlern wie Michelangelo, Donatello, Ghiberti, Pisano.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Die Namen der Künstler sind eingangs entlang eines Korridors gemeißelt. Sozusagen als Vorbereitung dessen, was einen erwartet.

Ein Korridor mit den Namen der Kuenstler

Eingangs ein Korridor mit den Namen der Künstler

Als ich in die Sala dell’Antica Facciata (Saal der Antiken Fassade) trete, bleibt mir trotzdem erst Mal die Luft weg: was für ein Zusammenspiel von Raum und Kunst! In einem großartigen Raum von 36 m Länge, 20 m Breite und 20 m Höhe – das ehemalige Teatro degli Intrepidi, das später auch als Autogarage genutzt wurde – wurde die Fassade des Doms S. Maria del Fiore samt Kunstwerken in originalen Dimensionen nachgebildet. Und zwar so, wie Arnolfo di Cambio die Fassade 1296 konzipiert hatte, die dann allerdings 1587 zerstört wurde.

Nebenbei sei hier erwähnt, dass Arnolfo di Cambio im Valdarno die Städte San Giovanni Valdarno und Castelfranco entworfen hat, als Florenz um seinen Einfluss auszudehnen neue Siedlungen aus dem Nichts emporzog – die terre nuove.

San Giovanni Battista – der Schutzpatron von Florenz, Johannes der Täufer, macht den Auftakt in der Eingangshalle des Museums. Die barocken Altarskulpturen für den Dom von Girolamo Ticciato gefielen mit der Zeit nicht mehr und wurden 1912 wieder durch den originalen mittelalterlichen Altar ersetzt.

Museumseingang

Museumseingang

Der Wandel ist ein Leitmotiv des Museums. Auf nunmehr insgesamt fast 6000 Quadratmetern haben die Meisterstücke ausreichend Raum, ihre Wirkung zu entfalten. In 5 Sälen werden allein die verschiedenen Entwürfe und Phasen der Domfassade nachvollzogen. Das Tolle dabei ist, dass nicht nur kunsthistorisch gebildete Betrachter die Ausstellung genießen können, sondern durch anschauliche Modelle, Installationen oder Fotos versteht selbst ein Kind historische und künstlerische Zusammenhänge. Jeder sieht, was er sehen möchte und kann sich nach Belieben informieren, auch durch klassische Museumsführer oder Apps.

Die Sala dell’Antica Facciata finde ich aus einem Grund besonders gelungen: viele Skulpturen war man ja im alten Museum gewohnt aus nächster Nähe betrachten zu können. Dies wurde beibehalten, wie bei der Figur des Hl. Bonifazius. Gleichzeitig wurde allerdings eine Kopie des Bonifazius in die Fassade an eben die Stelle gesetzt, an der sie wirklich stand. Man hat den Eindruck des Gesamtkunstwerks und kann doch die Details bewundern. Wenn man den Saal aus verschiedenen Stockwerken betrachtet, ergeben sich noch einmal neue Emotionen.

Blick vom 1. Stock in den Saal der Antiken Fassade
Blick vom 1. Stock in den Saal der Antiken Fassade
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In den Jahren des Umbaus des Museums wurden 200 Werke restauriert. Viele Skulpturen sind auch zum ersten Mal der Öffentlichkeit zuänglich, wie zum Beispiel 15 Statuen aus dem 14. Jahrhundert und an die 70 Fragmente der mittelalterlichen Domfassade.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Fassade sind die Tore des Baptisteriums hinter Glas montiert, allen voran Ghibertis Meisterwerk des goldenen Osttors, von Michelangelo auch als “Porta del Paradiso” (Paradiestor) apostrophiert. Daneben befindet sich die Porta Nord, ebenfalls von Ghiberti und sobald die Restaurierung durch das Opificio delle Pietre Dure beendet ist, wird hier auch die Porta Sud von Andrea Pisano ihren Platz finden.

Die "Porta del Paradiso" von Lorenzo Ghiberti

Die „Porta del Paradiso“ von Lorenzo Ghiberti

Was sollte man außer der Sala dell’Antica Facciata unbedingt anschauen? Den Saal, der Brunelleschi und der Domkuppel gewidmet ist, samt Modellen aus dem 15. Jahrhundert und der Totenmaske Brunelleschis.

Brunelleschi Saal
Brunelleschi Saal
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Und natürlich Michelangelos vorletztes Werk, die Pietà, die für mich bei aller Dramatik des Moments eine schicksalsergebene Gelassenheit ausstrahlt. Der über 70-jährige hatte sich im Nikodemus – der zentralen Figur, die Christus stützt – selbst verewigt. Michelangelo verfolgte zuerst die Idee, dass die Pietà einmal sein eigenes Grabmal sein sollte, bevor er die Gruppe im Zorn zerschlug, weil er einen Fehler im Marmor bemerkte.

Präsident Lucchesi (links) und Architekt Prof. Natalini (rechts) beim Gespräch mit den Medien
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Einen bleibenden Eindruck hinterlässt auch Donatellos asketische Holzfigur der Maria Magdalena, die ebenfalls restauriert wurde.

Die restaurierte Maria Magdalena von Donatello

Die restaurierte Maria Magdalena von Donatello

Es sind jedoch nicht allein die großen Namen, die mich hier beeindrucken, sondern die Leidenschaft, Präzision und Spiritualität, die alle Kunstwerke eint. Ein Bildhauer, der eine Statue fertigte, von der er wusste, dass sie in 25 m Höhe angebracht wird, hätte beileibe nicht akribisch an jedem Millimeter schleifen müssen – niemand hätte eine Ungenauigkeit bemerkt. In einem Saal kann man byzantinische Mosaike bestaunen, wo selbst unter der Lupe kaum ersichtlich ist, dass es wirklich klitzekleine Mosaiksteine und keine Gemälde sind. Was für eine Perfektion!

Byzantinisches Mosaik, dessen Elemente auch mit der Lupe kaum wahrnehmbar sind

Byzantinisches Mosaik, dessen Elemente auch mit der Lupe kaum wahrnehmbar sind

Es ist das Verdienst der Opera del Duomo, dass mit dem neuen Museo dell’Opera del Duomo Räume geschaffen wurden, die einen Dialog zwischen Kunstwerk und Betrachter ermöglichen und Werke unterschiedlicher Epochen zueinander in Beziehung setzen. Die Erweiterung des Museums hat insgesamt 45 Millionen Euro gekostet – ein Klacks im Vergleich zu den unermesslichen Schätzen in seinem Inneren.

Blick auf die Domkuppel

Blick auf die Domkuppel

Das Museum ist ab dem 29. Oktober von 9 – 19 Uhr täglich geöffnet, das Eintrittsticket kostet € 15,00 (Eintritt für Kinder unter 6 Jahren frei, bis 11 Jahre € 3,00). Dafür kann man auch die Kuppel, das Baptisterium, Giottos Campanile und die Krypta Santa Reperata anschauen. Bis zum 26. Januar gibt es außerdem für € 12,00 (ermäßigt € 6,00) die Möglichkeit eines Kombitickets für den Eintritt ins Museum, Baptisterium und die Ausstellung „Divina Bellezza tra Van Gogh, Chagall e Fontana“ im Palazzo Strozzi.

Museum dell’Opera del Duomo di Firenze, Piazza del Duomo 9, Florenz