DIE 5 BESTEN LOKALE für einen Aperitif im Valdarno

Chillen, relaxen, das italienische Flair auf sich wirken lassen. Das sind die Momente, an die wir gerne zurück denken. Aber wo sind die Orte im Valdarno, an denen man besonders gut bei einem Spritz, Hugo, Campari oder einem Chinotto – der italienischen Version der Coca Cola unter Verwendung einer besonderen Zitrusfrucht, die dem Getränk den aparten Geschmack verleiht – entspannen kann?

Bar Saltino auf 1000 m ü.d.Meer

In die Bar Saltino auf 1000 m ü.d. Meer kommen im Sommer auch die Florentiner

5. Bar Saltino in Saltino, Reggello

Wenn es im Sommer heiß wird, entflieht der Florentiner gerne nach Saltino oder zur benachbarten Abtei Vallombrosa. Saltino liegt auf 1000 Höhenmetern und galt bis Anfang des 20. Jahrhunderts als das St. Moritz der Toskana. Die Namen der Hotels wie “Principe di Savoia” oder “Grand Hotel” erinnern noch heute an die illustre Klientel. Ein Ort für naturverbundene Nostalgiker. Die Wanderwege um die Abtei Vallombrosa sind ein Muss. In der zentral gegenüber dem Fremdenverkehrsbüro und Bushaltestelle gelegenen Bar Saltino gibt’s im Sommer heiße Musik und coole Drinks, im Winter entspannt man sonntags bei Cappuccino und Tageszeitung.
Bar Saltino, Saltino, Reggello

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Mr. Jack mixt gerne Drinks, hat aber auch empfehlenswertes Eis

4. Mr. Jack’s Bar in Castelfranco

Castelfranco ist ein ganz kleiner Ort, auf dem Reißbrett geplant vom berühmten Renaissance-Architekten Arnolfo di Cambio. Die rechtwinkligen Straßen münden in die zentrale Piazza. Hier in Jack’s Bar lohnt sich im Sommer ein Snack oder auch ein Eisbecher, bevor man die engen Sträßchen entlang der an manchen Stellen noch intakten Stadtmauer erkundet. Sehenswert ist die Kirche San Filippo Neri und falls das Büro der polizia nebenan auf der piazza besetzt ist, lasst euch das alte Gefängnis zeigen. Eine karge Zelle – aber mit Fresken bemalt.
Mr. Jack’s Bar, Piazza Vittorio Emanuele, Castelfranco

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Schöne Aussicht vom Caffè Fiorenza auf das Museo delle Terre Nuove, dekoriert mit Wappen der della Robbia

3. Caffè Fiorenza in San Giovanni

Wie Castelfranco wurde auch San Giovanni im Arnotal von Arnolfo di Cambio entworfen. Hier findet sich lediglich alles eine Spur größer als am Berg in Castelfranco. In San Giovanni kann man auf dem corso und seinen Nebenstraßen toll flanieren und einkaufen. Für Kunstbeflissene lohnt eine Besichtigung des Museo della Basilica gleich hinter der zentralen piazza, wo eine Verkündigung von Fra Angelico zu sehen ist. Das Gebäude mit den vielen Wappen – darunter auch viele der della Robbia –  auf der piazza ist heute das Museo delle Terre Nuove. Hier kann man sich schlau machen über die von den Florentinern um das 14. Jahrhundert initiierten Neugründungen von Städten.
Caffè Fiorenza, Piazza Cavour, San Giovanni

Borro

Relax pur im Vincafè von Il Borro

2. Il Borro in San Giustino, Loro Ciuffenna

Exklusiv und ohne Rummel – außer es ist gerade ein/e amerikanische/r Hollywood-Schauspieler/in zu Gast – genießt man einen Drink im Vincafè von Ferragamos Relais & Chateaux Il Borro bei San Giustino. Die Aussicht über den Panoramapool hinweg auf den kleinen Weiler ist großartig. Im Weiler sind einige lokale Handwerksläden, wie zum Beispiel ein Goldschmied. Außerdem kann man – nach Vorbestellung – eine Führung durch die cantina des Borro samt Degustation buchen.
Vincafè im Borro, San Giustino, Loro Ciuffenna

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Das „Wohnzimmer“ der Montevarchiner: Via Roma 7

1. Via Roma 7 in Montevarchi

Das “Wohnzimmer” der Montevarchiner bietet alles: entspannte Atmosphäre innen und außen, lebhaftes Treiben der Stadt, die zentrale Lage direkt auf der Piazza Vittorio Veneto und eingangs der Einkaufsmeile Via Roma. Zur Happy Hour gibt’s kleine stuzzichini zum Probieren. In 3 Gehminuten ist man am Museo Paleontologico, das die Ursprünge des Valdarno erklärt. Ein Hit auch für Kinder. Hier sehen sie “Gastone l’elefantone”, die Fossilien eines urzeitlichen Elefanten und weitere Fossilien, die alle im Valdarno gefunden wurden.
Via Roma 7, Montevarchi

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Die gemütliche Anlaufstelle zur Happy Hour: das Via Roma 7 in Montevarchi


VILLA MASINI: Drehort von Benignis Film

Wer erinnert sich nicht an den Augenblick im Film “Das Leben ist schön”, als Roberto Benigni alias Guido auf einem grün bemalten Schimmel in die Verlobungsfeier platzt und seine “Prinzessin” Dora zu sich nach Hause entführt? Die Orangerie, vor der das Pferd anhält, steht in Montevarchi und gehört zu einer in Pestello außerhalb des Stadtkerns gelegenen Jugendstilvilla, die hier nur als Casa del Nonno (Großvaters Haus) bekannt ist. Roberto Benigni erhielt 1999 drei Oscars für “Das Leben ist schön”.

Tor

Schmiedeeisernes Eingangstor

Als ich durch das Eingangstor mit schmiedeeiserner Rosendeko den Garten der Villa betrete, bin ich zuerst verwundert, mitten in der toskanischen Provinz ein Jugendstiljuwel zu finden. Die Limonaia vor mir ist dekoriert mit fantasievollen Drachen als Lampenhalter. Davor steht ein Brunnen mit anmutiger Primavera-Statue von Pietro Guerri.

Marcello Bossini und die Associazione Villa masini bemuehen sich darum, die Villa zu erhalten und zugaenglich zu machen

Marcello Bossini und die Associazione Villa Masini bemühen sich darum, die Villa zu erhalten und zugänglich zu machen

Als mir dann Marcello Bossini von der „Associazione Villa Masini“ die Geschichte der Villa erzählt, wird mir klar, dass die Villa ein echtes Stück Geschichte von Montevarchi darstellt. Marcello organisiert von Mai bis Juli und manchmal auch im Herbst Führungen durch die Villa, die heute noch im Privatbesitz der Nachfahren des Erbauers Angelo Masini ist.

Die Familie Masini stammte aus kleinen Verhältnissen und hatte es zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit ihrer Hutfabrik “La Familiare” zu ansehnlichem Wohlstand gebracht. Als Angelo Masini die Villa – in Sichtweite zu seiner Fabrik – konzipierte, hätte er einfach eine prachtvollere, protzigere Villa im Geschmack der damaligen Zeit hinstellen können. Tat er aber nicht.

Villa Masini

Villa Masini

Ihn faszinierte die Kunst, die er in Paris gesehen hatte. Und er interessierte sich für asiatische Pflanzen. Das Fremdländische machte ihm keine Furcht, im Gegenteil. So holte er die besten Architekten und Handwerker aus der Gegend und schuf ein eklektisches Jugendstilhaus und einen bemerkenswerten Garten samt Tempel mit Wasser speienden Tierfiguren und einer Voliere.

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Dass die Epoche des Jugendstils in Europa eigentlich schon vorbei war, interessierte ihn nicht. In Montevarchi jedenfalls war man schwer beeindruckt von der ungewöhnlichen Villa. Weitere Villen und Gebäude im gleichen Stil entstanden, sie finden sich in der ganzen Stadt verstreut – leider oft in keinem guten Zustand – und erinnern an eine Zeit, als Montevarchi ein „Wirtschaftswunder“ erlebte.

Im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss

Anrührend finde ich, dass der Geschäftsmann Masini an jeder Ecke ornamentale Details und Symbole verwendet hat, die seine Liebe zu seiner zweiten Frau ausdrücken. Die Villa wurde 1927 fertig gestellt. Die Frau Masinis starb vorher und hat die Villa nie vollendet gesehen.

Als Unternehmer ging Angelo Masini in seiner Tätigkeit auf und hat seine Maximen auch immer wieder in der Villa verewigt. Im Treppenhaus mahnt ein Fenstermosaik “per non dormire” – stets hellwach zu sein.

Fenster im Treppenhaus der Villa

Fenster im Treppenhaus der Villa

Dass die Orangerie und Villa Masini im Film erscheinen, ist dem bloßen Zufall zu verdanken. Der Ausstatter Benignis hatte sich verfahren, sah zufällig mehrere Jugendstilgebäude und fragte in einer Buchhandlung nach Einzelheiten. Dort rief man Marcello Bossini. Von der Villa Masini sind nicht nur die Orangerie im Film zu sehen, sondern auch die Außenansicht und ein Schlafzimmer – in der Szene als Dora sich weigert, das Bett zu verlassen um ihre Verlobung zu verkünden.

schlafzimmer

Drehort einer Szene aus „Das Leben ist schön“

Das Innere der Villa besteht aus drei Stockwerken, die jeweils als Zeichen der Vollkommenheit oktagonal geschnitten sind. Im untersten Stockwerk befinden sich verschiedene Salons und Aufenthaltsräume, sowie das Speisezimmer mit zwei Werken von Vasarri im Stil der Neurenaissance.

Zwei Gemalder von Vasarri befinden sich im Speisezimmer

Getafelt wurde unter einem Gemälde von Vasarri

Im oberen Stockwerk – ebenfalls im Oktagonschnitt – befinden sich die Schlafzimmer und Bäder. Darüber wohnte die Dienerschaft. Das Schöne an diesem Privathaus ist, dass man die Zeit förmlich atmet, in der es erbaut wurde. Nichts wurde verändert, Zimmer, Möbel, Lampen, bis hin zu Details wie Geschirr und sogar die Lichtschalter und der Speisenaufzug sind original 20er Jahre. Wer die Gelegenheit hat, die Villa zu besichtigen, sollte diese ergreifen. Bei Interesse an einer Besichtigung könnt ihr euch gerne an mich wenden.

Auch die Fassade wurde liebevoll dekoriert

Auch die Fassade des Hauseingangs wurde liebevoll dekoriert