SHOP TILL YOU DROP – Weihnachtseinkäufe bei Florenz

Spielt ihr mit dem Gedanken, für Weihnachtseinkäufe nach New York zu düsen? Dies könnt ihr getrost vergessen, denn Florenz liegt viel näher. Von München oder Frankfurt erreicht ihr Florenz per Direktflug in weniger als 2 Stunden. Und nur rund 30 Kilometer von Florenz entfernt – zwischen den kleinen Ortschaften Leccio und Pian dell’Isola – findet sich Italiens beste Outlet- und Shoppingmeile.

 

The Mall - beinahe mehr Besucher als die Uffizien

The Mall – mehr Besucher als die Uffizien

Ich fahre ab der Autobahnausfahrt Incisa – Reggello auf der SS 69 Richtung Leccio, vorbei am imposanten mittelalterlichen Militärstützpunkt Torre del Castellano, der weithin sichtbar in die Landschaft ragt. Nach 10 Minuten erreiche ich Leccio, ein ruhiges, kleines Provinznest von nicht mal 1000 Einwohnern. Schwer vorstellbar, dass täglich Hunderte, wenn nicht Tausende – vornehmlich aus Asien kommende – Touristen diesen Ort zum Ziel haben.

The Mall ist der Klassiker unter den Outlets, mit über 30 Luxuslabels von Alexander McQueen und Armani über Dior, Gucci, bis zu Stella McCartney, Tod’s und Valentino. Auf der Suche nach einem Parkplatz fahre ich an der Bushaltestelle vorbei, wo Busse im 30-Minuten-Takt Besucher aus Japan, Südkorea und China ausspucken oder auflesen. Die meisten der Besucher sind keine 40 Jahre alt.

Auf die letztjährigen Kollektionen gibt es Ermäßigungen um ca. 30%. Dies ist ein besonderer Ansporn für die asiatischen  Käufer, wo westliche Modemarken, die in ihren Heimatländern ungleich mehr kosten, ein Statussymbol darstellen. Da lohnt sich auch ein Kurztrip nach Italien.

Nur ca. 30 Kilometer von Florenz entfernt - die Outlets in und bei Leccio

Nur ca. 30 Kilometer von Florenz entfernt – die Outlets in und bei Leccio

Dass der Markt boomt und jährlich mehr als 2 Millionen Besucher Leccio aufsuchen, freut natürlich den Eigentümer von The Mall, die Holding Kering von Jean-Franςois Pinault. Dazu gehören auch Marken wie Gucci, Alexander McQueen und Stella McCartney. Gucci betreibt in The Mall ein eigenes, in elegantes Schwarz gekleidetes, Verkaufsgebäude samt Dachrestaurant.

Der Erfolg des Outlets im toskanischen Hinterland hat auch andere Marken angezogen, allen voran Prada. Das Geschäft dieser Marke empfängt den Besucher gleich nach der Einfahrt ins Outlet-Gelände. Doch in zweiter und dritter Reihe haben noch weitere Mode- und Accessoiresfirmen in die Lokalität investiert. Neben den „Big“ finden sich in Leccio heute unter anderen Michael Kors, Diesel und Paul & Shark.

 

Erst im Juli eroeffnet: Nike

Erst im Juli eröffnet: Nike

Zuletzt wurde im Juli das Premium-Outlet von Nike eingeweiht, ein Fitnesstempel, der keine Wünsche offen lässt, was sportliche Outfits anbelangt.

Dann fahre ich zurück Richtung Autobahneinfahrt. Keine 3 Kilometer von Leccio entfernt biege ich rechter Hand nach S. Maria Maddalena ab, zum Outlet von Dolce & Gabbana. Hier kann man wirklich noch von Outlet sprechen, denn es ist der Fabrik des Unternehmens angeschlossen. An diesem Standort sind über 300 Mitarbeiter beschäftigt. Bei Dolce & Gabbana findet man Damen-, Herren- und Kindermode, sowie Schuhe und Accessoires der vergangenen Saison mit einem Nachlass von mindestens 30-50%.

Outlet Dolce & Gabbana

Outlet Dolce & Gabbana

Direkt gegenüber von Dolce & Gabbana lohnt sich ein Abstecher zu Fashion Groove, wo es zum einen auch Outlet Stores gibt, zum Beispiel von Timberland, Cruciani, Geox oder Calzedonia. Noch schöner finde ich allerdings, dass Shops hier Originelles und Neues aus der ganzen Welt vorstellen, toll hierfür das Labtique.

Neue Designer entdeckt man im Labtique

Neue Designer entdeckt man im Labtique

Die Outlets haben alle täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet, Dolce & Gabbana von 10 bis 20 Uhr. Die florentiner Hotels organisieren Transfers zu den Outlets. Bequem lassen sich die Outlets aber auch mit dem Bus erreichen (Abfahrt Nähe Bahnhof Santa Maria Novella in Florenz, Kosten pro Fahrt € 5,00).


SCHLOSS SAMMEZZANO: Versteigerung im Februar 2016!

Bayern hat Schloß Neuschwanstein, die Toskana das Castello Sammezzano. Ein Vergleich, der hinkt? Im Gegenteil, es ergeben sich erstaunliche Parallelen in den Vitae der beiden Zeitgenossen und Schloßerbauer – König Ludwig II im Allgäu und Ferdinando Panciatichi Ximenes d’Aragona im Valdarno vor den Toren von Florenz.

Schloss Sammezzano, ca. 30 Kilometer von Florenz entfernt

Schloss Sammezzano, ca. 30 Kilometer von Florenz entfernt

Ferdinando entstammt einer der reichsten florentiner Adelsfamilien. Palazzo Panciatichi in Florenz ist bis heute Sitz des Regionalparlaments der Toskana. Er erbt den nur 35 km von Florenz entfernten, konventionellen Familienpalazzo Sammezzano, wo im 8. Jahrhundert schon Karl der Große übernachtet haben soll. Von 1845 bis 1889 läßt er ihn Zimmer für Zimmer zu einem Märchen aus 1001 Nacht umbauen, das in Italien seinesgleichen sucht.

Dank dem Einsatz des rührigen Freiwilligenkomitees Comitato FPXA 1813-2013 ist es wenige Male pro Jahr möglich das Schloss zu besichtigen. Man muß allerdings blitzschnell sein und am vereinbarten Termin am Computer kleben, wenn das Anmeldeformular freigeschaltet wird. Bei der letzten Öffnung im September waren in weniger als 2 Minuten die genehmigten 800 Eintritte erreicht. Auf der Warteliste standen 11.600 Anmeldungen.

Blick vom Dach des Schlosses auf "The Mall"

Blick vom Dach des Schlosses auf „The Mall“

Parken kann man direkt neben dem Outlet “The Mall” in Leccio – eines der größten und bekanntesten Italiens, wo die besten Modelabels zu finden sind, angefangen bei Prada, Ferragamo und Gucci bis hin zu Tom Ford und Dior. Jährlich shoppen 3 Millionen Touristen in “The Mall”.

Schloß Sammezzano, das auf einer Anhöhe liegt, erreicht man nach einem halbstündigen Spaziergang durch seinen idyllischen botanischen Garten. Dutzende, 150 Jahre alte, riesige Sequoien säumen den Weg.

Schon der erste Eindruck nimmt dem Besucher den Atem: Farben, geometrische Muster, Säle im Mudejar-Stil wie in der Alhambra, der oktagonale Ballsaal, der Spiegelsaal, der indische Pfauensaal, das goldglänzende Fumoir, der Musiksaal. Manche sagen, das Schloß habe 365 Zimmer. Ganz so viele sind es nicht, aber man ist überwältigt von der Vielzahl der Ambiente.

Blick in den Saal der Liebenden

Blick in den Saal der Liebenden

Eine Explosion an Eindrücken, Farben, Gefühlen, die in jedem Saal neu auf den Besucher einstürmen. Vielfach zitiert Ferdinando Figuren und Ideen der Literatur, wie im Saal der Liebenden, der die großen “Amanti” wie Tristan und Isolde verewigt. Hier wurden kürzlich Szenen des Films “Das Märchen der Märchen” mit Salma Hayek gedreht.

Drehort von "Maerchen der Maerchen" mit Salma Hayek

Drehort von „Märchen der Märchen“ mit Salma Hayek

Die großen Weltreligionen koexistieren bei Ferdinando Panciatichi friedlich nebeneinander. Besonders eindrucksvoll ist der glitzernde Spiegelsaal, der an die Grotte Hira erinnern soll, wo der Prophet Mohammed nach der Überlieferung die ersten Verse des Koran empfangen hat. In einer Kapelle zitiert der erklärte Antikleriker Ferdinando die monotheistischen Religionen gleichberechtigt nebeneinander. Quintessenz seiner Philosophie ist die Ehrfurcht und der Respekt vor dem einen Schöpfergott, egal wie er nun heißen möge.

Auf der einen Seite verblüffen die aufgeklärten, modernen Ansichten Ferdinandos. Auf der anderen Seite nimmt man seine Abgründe und Verletzungen wahr, wie im “Weißen Saal”: “Todos contra Nos – Nos contra todos” (Alle gegen uns – wir gegen alle). Man ahnt schon: der Schloßherr war nicht nur ein genialer Bauherr, sondern hatte auch einen schwierigen, egozentrischen Charakter. An anderer Stelle belegt ein eloquentes “Frangar non flectar”, dass ein Ferdinando was seine Überzeugungen angeht “nur bricht, sich aber nicht verbiegen läßt”.

Blick aus dem "Saael der Liebenden" in die Kapelle

Blick aus dem „Saal der Liebenden“ in die Kapelle

Obwohl Ferdinando Panciatichi Ximenes d’Aragona nie eine Universität besucht hatte, interessierte er sich für eine Unzahl an Themen. Er war ein begeisterter und kenntnisreicher Botaniker, Architekt, Literat, ein engagierter Politiker und Verfechter einer liberalen, aufgeklärten Aristokratie. Es waren turbulente Jahre, als Florenz die Hauptstadt Italiens und damit der politische Mittelpunkt des Stiefels war. Ferdinando Panciatichi warf seine politischen Ideen in die Waagschale, favorisierte die Einheit Italiens, wurde später Delegierter im italienischen Parlament. Mit den Jahren kam allerdings zunehmend die Desillusionierung. Enttäuscht legte er 1867 sein politisches Mandat nieder.

Was er von den politischen Akteuren seiner Zeit hält schreibt er an die Mauern des “Saales der Gerechtigkeit” von Sammezzano:Mi vergogno a dirlo, esattori, prostitute, ladri e sensali tengono in pugno l’Italia, ma non di questo mi dolgo bensì del fatto che ce lo siamo meritati. “ – (Ich schäme mich es auszusprechen, Steuereintreiber, Nutten, Diebe und Vermittler kontrollieren Italien, aber nicht das tut mir weh, sondern die Tatsache, daß wir es verdient haben).

Immer mehr ins politische Abseits gedrängt und von den regierenden florentiner Kreisen unverstanden, zieht Ferdinando sich nach Sammezzano zurück und verwirklicht hier seine Vorstellung von Schönheit, Kunst und moralischen Idealen.

Der Pfauensaal

Der Pfauensaal

Er, der nie die arabische Welt bereist hat, nie die Alhambra oder den Taj Mahal mit eigenen Augen gesehen hat, schafft in seinem kleinen toskanischen Reich eine zauberhafte Verbindung zwischen Westen und Osten. Im Garten von Sammezzano wurde eigens ein Ofen zum Brennen der Majolikafliesen gebaut. Für die bunten Wandbemalungen brauchte man Eier als Bindemittel – woraufhin im ganzen Valdarno-Tal bis nach Florenz die Eier ausgingen, heißt es.

Die Begeisterung Ferdinandos für die arabische Welt und deren Errungenschaften kam nicht von ungefähr. Als Resultat von Aufklärung und Romantik fühlten sich im 19. Jahrhundert viele kultivierte europäische Persönlichkeiten zum Nahen und Fernen Osten hingezogen. Ferdinando sah die gemeinsamen Wurzeln der westlichen und östlichen Kulturen. Er entwarf seine Vision einer fruchtbaren Koexistenz der Ideen und Religionen.

König Ludwigs Schloß Neuschwanstein wurde nur sieben Wochen nach Ludwigs Tod der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und zieht Jahr für Jahr 1,4 Millionen Besucher an. Sammezzano war nach dem Tode Ferdinandos zuerst in Privatbesitz und von 1970 bis 1990 ein Luxushotel mit nur 17 Zimmern.

Am 20. Oktober sollte Schloss Sammezzano in Florenz zwangsversteigert werden. Der englisch-italienische Investmentfonds, der 1999 das Anwesen samt prächtigen 180 Hektar Park und 13 weiteren verfallenden Häusern erworben hatte, war pleite. Es wurde kein Angebot abgegeben. Genauso geschah es in der zweiten Runde am 27. Oktober. Mitte Februar gibt es erneut einen weiteren Versuch einer Auktion. Das Mindestgebot wurde von anfänglich 22 auf 15 Millionen Euro herabgesetzt.  Welches Schicksal erwartet das Märchenschloß?