BOBOLI, TORRIGIANI, BARDINI: Die Gärten von Florenz

Wer denkt, Florenz bestünde nur aus sehenswerten Palazzi und Museen, Skulpturen und Gemälden irrt gewaltig: Florenz ist mindestens genauso eine Stadt der (gezähmten) Natur und der Gärten. Und jetzt im Frühjahr ist es herrlich, durch dieselben zu streifen oder – wie Hermann Hesse – einfach vor dem Goldfischteich im Boboli-Garten zu sitzen und über einem guten Buch zu meditieren.

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Eine Skulptur Mitorajs mit bröseligem Gesicht im jahrhundertealten Boboli-Garten.

Wer zu Fuß zum Piazzale Michelangelo hochlaufen mag, kann dies durch den Rosen- und Irisgarten tun. Der mit 45.000 Quadratmetern größte Garten der Stadt ist der Boboli hinter dem Palazzo Pitti, mit Skulpturen von der römischen Antike bis zum 20. Jahrhundert durchsetzt. Erdacht wurde er von den Medici bis zu den Lothringern und Savoyern, die alle ihre Spuren hinterlassen haben. Natürlich kann man das Amphitheater entlang, am Obelisken vorbei, den statuengespickten Weg hinauf bis zum Neptunbrunnen laufen, weiter zum Casino del Cavaliere mit seinem hübschen italienischen Rosenparterre davor und der Porzellansammlung im Innern. Aber ebenso schön ist es, sich in den verschlungenen Wegen entlang der mächtig aufragenden Zypressenallee zu verlieren, einfach die Augen zu schließen und den Amseln, Staren, Krähen und dem Gurren der Tauben zu lauschen.

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Das grazile Kaffeehaus in etwas gewöhnungsbedürftiger Farbe.

Wer nach klassischen Vorbildern und italienischem Stilgefühl Vertrautes möchte, dem sei ein Abstecher zum Kaffeehaus – ja, das heißt so – empfohlen. Das schmale Rokokogebäude ist in verde lorena – lothringergrün – gehalten, einem lindgrün, das wahrscheinlich die italienischen Sehnerven strapaziert, jedenfalls haben die Italiener die Lothringer als Urheber der Farbe dingfest gemacht. Ein bisschen komisch mutet sie gegen den blassblauen florentiner Himmel tatsächlich an (wahrscheinlich macht sie gegen wolkenverhangene nordische Himmel mehr her).

Vor dem Kaffeehaus mit schönem Panorama auf die Stadt sind eine Auswahl Apfel,- Birnen- und Susinenbäume gepflanzt, dass man sich fast am Bodensee oder in der Wachau wähnt.

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Ausblick vom Giardino Bardini.

Mit dem Eintrittsticket in den Boboligarten kann man auch den steil ansteigenden barocken Bardini-Garten nebenan besuchen, einen weiteren Ausschichtspunkt. Außer einem lauschigen lila Glyzinientunnel kann man neben Resten der antiken Stadtmauer die Kamelien bewundern.

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Vorbild des Giardino Torrigiani waren englische Landschaftsarchitekturen.

Eine andere Art von Garten ist der Giardino Torrigiani, nur 5 Gehminuten vom Boboli-Garten entfernt. Der mit 6 Hektar größte, innerhalb von Stadtmauern gelegene, Privatpark Europas kann auf Anfrage besichtigt werden. Der Besitzer selbst führt durch den historisch bedeutsamen Garten und erklärt Gewächshäuser und freimaurerisch inspirierte englische Landschaftsarchitektur. Höhepunkt des Parks ist der weithin sichtbare neugotische Turm, in dem der Besitzer im 19. Jahrhundert alchemistische Experimente machte und die Sterne begutachtete.


DAS RÖMISCHE FLORENZ

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Wo sich heute die Piazza della Signoria und der Palazzo Vecchio befinden, stand einst das römische Theater, ein Riesending mit mehreren Tausend Sitzplätzen. Die Zukunft von Florenz hatte sich um 59. v. Chr. entschieden, als Caesar das nahezu unbewohnte Gelände am Fluss Arno für seine pensionierten Legionäre erspähte. Flugs wurde in Manier eines römischen Castrums eine Stadt erbaut. Die Mitte um das einstige Forum Romanum war die heutige Piazza della Repubblica. Von hier gingen die rechtwinkligen Straßen ab.

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Um die Piazza Signoria wurde, wie gesagt, ein Theater für Komödien, Tragödien und Pantomime angelegt. Daneben befanden sich die – stets gut frequentierten und für alle zugänglichen Thermen. Gegenüber dem Palazzo Vecchio – wo heute das Geschäft von Chanel seinen Laden hat – befanden sich zu Römerzeiten die Latrinen, fortschrittlich schon damals, inklusive Bidet.

Auf der Seite der Loggia dei Lanzi hingegen wurden Tuche getrocknet. An der Größe des Areals kann man erkennen, dass schon damals nicht nur die Tuche der Einwohner bearbeitet wurden, sondern weitaus mehr Material, das heißt, dass der Handel mit Tuchen schon zu Römerzeiten stattfand.

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Unter dem Palazzo Vecchio werden seit einigen Jahren Ausgrabungen unternommen, die die verschiedenen Ebenen des Theaters, aber auch die darüberliegenden Schichten der Renaissance freilegen.

Bis ins 2. Jahrhundert nach Christus erlebte Florenz durch die Römer einen Aufschwung, doch mit dem Ende des römischen Reiches verfiel zusehends auch die Stadt. Das Theater wurde zur Müllhalde und einem Steinbruch, aus dem man sich zum Hausbau bediente.

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Die Rundung des Amphitheaters ist deutlich an den Häusern in der Via Torta (der schiefen Straße) abzulesen

Gleich hinter dem Palazzo Vecchio, dort wo heute die Kirche San Firenze liegt, war zu Römerzeiten ein Isistempel untergebracht – was für die religiöse Toleranz der Einwohner sprach. Nur ein paar Straßen weiter – aber außerhalb der einstigen Stadtmauern, neben der heutigen Basilika von Santa Croce – lag dagegen das Amphitheater. Man wollte die Hooligans, die sich bei Gladiatorenspielen und Gepardenkämpfen abreagierten, wohl ein bisschen auf Abstand halten.