SANTA FELICITA – alles ganz anders

Es ist ja alles ganz anders in Florenz. Hinter jeder Piazza, jedem Gebäude, verbergen sich ungeahnte Bedeutungen. Ein Beispiel: Piazza Santa Felicita und die Kirche, keine 50 Meter vom Ponte Vecchio entfernt Richtung Piazza Pitti. Unvermittelt öffnet sich die Straße zu einem kleinen Platz. Was wie ein Glück verheißender Name klingt, bezieht sich auf die zur Heiligen stilisierten Märtyrerin dieses Namens, die samt ihrer sieben Söhne einen Kopf kürzer gemacht wurde.

Piazza Santa Felicita

Die Kirche Santa Felicita sieht zwar unscheinbar aus wie eine Hütte, ist aber eine der ältesten der Stadt, mit Ausgrabungen, die auf vorchristliche Grabstätten verweisen. Etliche griechische Grabinschriften, die sich früher vor der Kirche auf der Piazza befanden, zeigen, dass es sich nicht etwa um eine urtoskanische Bevölkerung handelte, sondern um Auswärtige mit syrischen Wurzeln.

Grabinschriften aus dem 4./5, Jh., einige noch früher. Heute im Innenhof des ehemaligen Klosters zu besehen, rechts neben der Kirche.

Wo heute die Säule steht – Zeugnis des Scharmützels zwischen einer christlichen Miliz und katharischen Anhängern – befand sich davor eine Pyramide. Man darf raten wer gewann. Bis Mitte des 19. Jh befand sich auf der Säule die Statue des Heiligen, der die Miliz inspirierte, San Pietro mit einem Messer im Schädel – muss ein eindrückliches Bild gewesen sein.

Oben an der Kirche entlang führt der Geheimkorridor Vasaris, der die Uffizien mit Palazzo Pitti verbindet, so dass die Herrschenden schnell mal eine andächtige Pause in der Kirche einlegen konnten, ohne sich unters Volk mischen zu müssen.

„Pray and go“ auf der Galerie

Die Kirche mit dem Wappen der Guicciardini über dem Altar ist die Stammkirche dieser Familie. Der Historiker Francesco liegt unter dem Thron vor dem Altar begraben. Doch, es würde sich lohnen mal etwas von ihm zu lesen. Kontrapunkt und Freund Machiavellis.

Der Stuhl steht auf der Grabplatte Francesco Guicciardinis. Modedesigner Missoni hat auch nichts erfunden.

Highlight der Kirche ist die Capponi Kapelle gleich am Eingang rechts mit der Grablegung Jesu von Pontormo. Die ist nun wirklich modern in Komposition und Farbgebung, die Auflösung des Klassizistischen in einer psychedelischen Empfindung in rosa und hellblau. Bis Ende Januar 2018 noch im Palazzo Strozzi zu besichtigen, dann wieder hier.


25. APRIL: Tag der Befreiung

An diesem Tag wird der Befreiung Italiens von den Deutschen und dem Faschismus gedacht, sowie der Partisanen, die ihr Leben dafür einsetzten. Ein wichtiger Gedenktag, der augenfällig seit der Wirtschaftskrise 2008 noch konsequenter begangen wird. Heuer besuchte Ex-Premier Matteo Renzi Cavriglia und Castelnuovo. In der Vergangenheit war zum Beispiel Frank Walter Steinmeier in San Pancrazio zugegen.

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Gedenktafel im Hof der Villa Barberino, Cavriglia

Über den Pratomagno hatten sich während des Zweiten Weltkriegs an die 2000 Partisanen verteilt, bei Loro Ciuffenna die Brigade „Mameli“ oder bei Pian di Scò und Reggello die Brigade „Potente“. Die deutschen Truppen gerieten auf ihrem Rückzug im Sommer 1944 immer wieder in einen Hinterhalt. Die Engländer halfen den Partisanen, indem sie Waffen und schließlich auch Truppen im Rücken der Deutschen abwarfen.
Wenn die Deutschen getroffen wurden, übten sie, nicht selten mit Unterstützung der lokalen Faschisten, grausam Vergeltung an der zivilen Bevölkerung. Alte, Männer, Frauen und Kinder wurden gefoltert und danach erhängt, einfach erschossen oder in Häuser gesperrt, die dann angezündet wurden. Besonders unmenschlich hatte sich die Fallschirm-Panzerdivision Göring hervorgetan, die in Castelnuovo dei Sabbioni 73 tote Zivilisten zu verantworten hatte, in San Pancrazio 74 und in Meleto 97. Am 3. August 1944 wurden in Rignano sull’Arno die Frau und die beiden Töchter von Albert Einsteins Cousin Robert Einstein erschossen. Andere Familienmitglieder, die nicht den Nachnamen „Einstein“ trugen, kamen mit dem Leben davon.