DER KÖNIGLICHE STEIN

Das Örtchen Stia im Casentinotal heißt übersetzt:”Bleiben Sie!” und das ist gar keine so schlechte Idee, denn zu entdecken gibt es hier, in der unbekannten Toskana, sehr viel.


Heute einen geheimnisvollen Stein, normalerweise nicht zugänglich auf einem Privatgrundstück. In der Nähe von Stia, appunto, und dem Santuario Madonna delle Grazie. Und dass es den Santuario gibt, hat wiederum mit dem Stein zu tun.


Vom Santuario wandern wir – organisiert von Altertrek – zuerst durch Eichen- und Mischwälder ein kurzes Stück, bis wir am Hintereingang des Privatgrundstücks anlangen. Entlang dem Wanderweg hat man bei Ausgrabungen Spuren eines römischen Dorfes gefunden. Auch der Lago degli Idoli, ein See, in dem im 19. Jahrhundert über 600 bronzene Votivstatuen gefunden wurden, ist nicht sehr weit, am Ursprung des Flusses Arno. Man geht heute davon aus, dass die Gegend also vom 6. bis 2. Jahrhundert vor Christus bewohnt wurde, was ein Indiz für die genauere Datierung des Steins ist.


Und hier haben wir auch schon den wichtigsten Anhaltspunkt, was es mit dem “Königlichen Stein” (wörtlich für Sasso del Regio) auf sich haben könnte. Der Stein liegt nämlich dort, wo eine Quelle entspringt, die reich an Kalzium ist, weshalb der umgebende Fels weiß ist und auch das Wasser eine weißliche Farbe hat. Das Wasser, meinte man, sei besonders gut für stillende Mütter.
Der Stein ist ein komplexes Bild aus Sonnen- und Mondzeiten, mit zwei glockenförmigen Vertiefungen. Genau in dem Moment, wenn die Sonne bei der Wintersonnwende untergeht, trifft der allerletzte Strahl die bauchähnliche Vertiefung und erleuchtet sie, eine Art Fruchtbarkeitsgebet in der Hoffnung auf eine gute Ernte im neuen Jahr. Obenauf sitzt ein traurig schauender Kopf als Zeichen der Vergänglichkeit, über den – allerdings in späteren Zeiten – ein Kreuz geritzt wurde.


Und damit wären wir wieder beim Santuario. Marienerscheinungen gab es nämlich mit Vorliebe dort, wo vorher besondere, heidnische Stätten verehrt wurden. An einem weißen Fels (der im Santuario unter dem Altar liegt) ein paar hundert Meter vom Sasso del Regio entfernt, soll also im 15. Jahrhundert die Madonna erschienen sein. Die Geschichte vom Sasso kursiert jedoch weiterhin bei der Bevölkerung, wie seit Jahrhunderten oder vielleicht Jahrtausenden schon.


FREIMAURER IN FLORENZ

Die bekanntesten Freimaurersymbole sind Winkelmaß und Zirkel. Mit ihrer Hilfe kann das Haus richtig und gut gebaut werden. Im übertragenen Sinn sollen sie für aufrechtes Leben, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit stehen.

Die italienische Nationalhymne beginnt mit den Worten “Fratelli d’Italia…” und mit fratelli – Brüder reden sich die Freimaurer untereinander an. 1847 vom “Bruder” Goffredo Mameli geschrieben, ist die Hymne seit 1946 als italienische Nationalhymne in Gebrauch. Der Freimaurer Giuseppe Mazzini schlug die Farben der italienischen Flagge vor und der Freimaurer Giuseppe Garibaldi griff die tricolore bei seinem Kampf um die Einigung Italiens auf.

Terrasse mit Aussicht auf die Domkuppel, die in ihrer Einzigartigkeit Ansporn für die Freimaurer-Architekten bedeutet.

Es waren Engländer, die 1732 die erste Loge auf italienischem Boden gründeten, natürlich in Florenz. Das Freimaurertum gefiel hierzulande. Ein Fünftel der Mitglieder der italienischen Loggia Grande Oriente d’Italia ist in 48 Florentiner Logen anzutreffen. Insgesamt gibt es in Italien 103 Logen.

„Tempel“ – Versammlungsraum mit Fresken der Herkulessaga

Der Palazzo Roffia im Borgo Pinti – der sich einst außerhalb der Stadtmauern befand und heute mitten im Zentrum steht – beherbergt im ersten Stock einige als “Tempel” eingerichtete, freskenverzierte Räume der Freimaurer, die für gewöhnlich nicht öffentlich zugänglich sind.

Die Leidenschaften sollen gezügelt, die Vernunft gestärkt werden – hier allegorisch abgebildet mit entwaffnetem und gebundem Eros.

Das Freimaurertum florierte bis der Faschismus aufkam. Im Jahr 1925 wurden unliebsame Vereine verboten, darunter auch das Freimaurertum, deren Logen formal aufgelöst wurden, im Untergrund aber weiter bestanden.

Das freie Denken soll Flügel verleihen. Doch manch einer klammert sich noch ängstlich am Baum des Wissens fest, da er noch nicht das nötige Selbstvertrauen besitzt.

Die Ziele des Freimaurertums, in jedem Fall ein Gewächs der Aufklärung, waren und sind nicht immer klar, obwohl sie humanistischen Ursprungs sind und zur “moralischen und spirituellen Erhebung” der Menschen dienen sollen. Aber Geheimnistuerei, für viele Menschen unverständlicher Symbolzauber und hierarchische Strukturen fördern natürlich Misstrauen. In den 80er Jahren wurde nahe Florenz bei Arezzo die Loge P2 von Licio Gelli aufgedeckt, die unter den Fittichen des Florentiner Großmeisters Lino Salvini gedieh und wohl einen Umsturz des italienischen Staats plante.

Auch für Freimaurer gilt: Ordnung ist das halbe Leben. „Degen müssen aufgeräumt werden“ steht auf dem Papier.