KINOHIT „QUO VADO?“ – worüber Italien lacht

Seit dem Kinostart am 1. Januar hat die Komödie „Quo vado?“ (angelehnt an den Filmhit „Quo vadis“, halb auf Lateinisch und halb Italienisch: Wohin gehe ich?) von Checco Zalone – alias Luca Medici – in nur 3 Tagen 22 Millionen Euro in die Kinokassen gespült. Das sind mehr Einnahmen als „Star Wars“ generiert hat.

Italien lacht sich schlapp an Hauptdarsteller Checco Zalone, dem prolligen, bequemen, privilegienverwöhnten, immer noch bei Mamma und Papà einquartierten Enddreißiger, dessen einziger Ehrgeiz es von Kindesbeinen an war, einen „posto fisso“ (Beamtenjob) im öffentlichen Dienst zu ergattern. Auch die Filmmusik, die Adriano Celentano imitiert, spielt auf sämtlichen Radiokanälen.

Es läuft alles rund für Checco Zalone, bis eines Tages ein reformwütiger Ministerialapparat ihn dazu bringen will, von sich aus zu kündigen. Doch Checco entwickelt ungeahnte Nehmerqualitäten, er nimmt alle Schikanen in Kauf, um seinen Job zu behalten und lässt sich durch ganz Italien versetzen, schließlich bis an den Nordpol. Dort nimmt das Schicksal in Gestalt der Wissenschaftlerin Valeria seinen Lauf, Checco verliebt sich sterblich und ist sogar bereit, Zugeständnisse an die Kultur der „zivilisierten Staaten“ des Nordens zu machen, was z.B. die Mülltrennung angeht.

Zalone – Medici, der aus Apulien im Süden Italiens stammt, nimmt die Mentalität seiner Landsleute mit einfachen, lustigen Sketchen gekonnt aufs Korn, und die Italiener folgen dem Komiker – der bereits mit seinen letzten Filmen riesige Kassenschlager produziert hat – mit einem lachenden und auch einem weinenden Auge, schließlich leidet das gesamte Land an der sehr realen Problematik des „posto fisso“.

Jahrzehntelang wurden – und zwar von allen Parteien – Stimmen dadurch gewonnen, dass man Wählergruppen in unkündbare Jobs hievte und so ein Heer von unproduktiven, hyper-privilegierten Bürokraten heranzog, die in der Wirtschaftskrise einen immensen Klotz am Bein darstellen. Auch aufgrund dieser Wählergruppen ist es in Italien schwer, echte Reformen in Gang zu bringen. Um den enormen Widerstand gegenüber Reformbestrebungen zu umschreiben, gibt es das Sprichwort:“Bisogna cambiare tutto per non cambiare niente“ (Man muss alles ändern, damit alles gleich bleibt).

Mit seiner Komödie „Quo vado“ gibt Zalone – Medici trotzdem Anlass zu Hoffnung: aus Liebe zu Valeria wandelt sich Checco schließlich und gibt seinen Beamtenjob auf, spendet das Geld seiner Abfindung an ein Krankenhaus in Afrika und lebt fortan glücklich und zufrieden ohne Privilegien.

Wenn sich die Gelegenheit bietet: anschauen.


TANTI AUGURI! Italienische Silvesterbräuche

Italiener hängen sehr an ihren Traditionen, besonders an Silvester, denn man möchte sich für das kommende Jahr gerne die beste Startposition sichern. Dass dies über die Auswahl der Gerichte möglich sein soll, erhöht natürlich den Reiz.

Und so erfolgt das ausgiebige cenone (Silvesteressen), das sich von 20 Uhr bis Mitternacht hinzieht, jedes Jahr nach speziellen Ritualen. Alles, was Glück oder – in Zeiten der Krise besonders wichtig – Geldsegen bringen soll, wird hemmungslos auf die Tafel gebracht – und zwar zusätzlich zum Menü.

Was bei keinem Silvester fehlt ist der zampone (Schweinshaxe) oder der cotechino (Kochwurst). Das Arme-Leute-Essen cotechino wird als Rezept seit 1745 erwähnt. Der Großmeisters und Vater der italienischen Kochtradition, Pellegrino Artusi, machte die Kochwurst dann gesellschaftsfähig.

Den cotechino bereitet der Metzger am Ort ohne Konservierungsstoffe und Zusätze zu, man kann ihn in Italien allerdings auch bereits vorgekocht im Supermarkt kaufen. Er muss dann lediglich nach den Angaben auf der Packung in siedendem Wasser aufgewärmt werden.

Zur Zubereitung den cotechino in einen Topf mit Zwiebeln, Karotten, Selleriestangen geben und mit kaltem Wasser bedecken. Ganz wichtig: den cotechino vorher mit der Gabel einstechen, damit das Fett austreten kann. Zum Kochen bringen und – bei geöffnetem Topf – je nach Größe (bei einem kleinen Exemplar für 2 Personen ca. 45 Minuten) köcheln lassen. Danach den cotechino aus dem Wasser nehmen und einige Minuten abkühlen lassen, damit er die Form nicht verliert. Schließlich die Haut abziehen und in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden.

Dazu werden Linsen gereicht, die Geldsegen bringen sollen. Noch vor Mitternacht werden außerdem Trauben serviert, um dem Sprichwort:”Chi mangia uva a Capodanno, conta i quattrini tutto l’anno” (wörtlich: Wer zu Silvester Trauben isst, zählt das ganze Jahr über Geld) Genüge zu tun.

Damit im Neuen Jahr auch wirklich alles klappt, wendet man in Italien noch einen weiteren Kniff an: der Brauch will es in der Silvesternacht rote Unterwäsche – am besten geschenkt – zu tragen. In diesem Sinne kann dann im neuen Jahr nichts mehr schief gehen! Ich wünsche euch allen “Tanti auguri” und viel Gesundheit, Glück und gutes Gelingen!