WORAUF IST BEIM KAUF VON OLIVENÖL ZU ACHTEN?

Die Bombe platzte vor ein paar Tagen. Die NZZ schrieb: ”Olivenöl ist nach Wein das zweitwichtigste Produkt der italienischen Landwirtschaft” und unterstreicht, dass in Italien “mit Schwindel und Betrug minderwertiges ausländisches Öl als Extra Vergine” verkauft wird. Der Chefredakteur der Zeitschrift Merum, Andreas März, wird in der NZZ so zitiert: ”95 Prozent aller sogenannten Extra Vergine sind keine.“ Und weiter:”Viele der im Handel erhältlichen Olivenöle sind maximal Vergine-Öle oder aber desodorierte Lampant-Öle.” Die Süddeutsche Zeitung legt nach und titelt: “Maschinenöl im Olivenöl”. Starker Tobak und in der Verallgemeinerung auch nicht zutreffend!

2015-11-05 16.47

Olivenöl – wieder einmal. Wie kann der Verbraucher sich schützen und was sollte er wissen?

Aus Turin wurde bekannt, dass gegen die Verantwortlichen von 7 großen Namen der Olivenölindustrie ermittelt wird: Carapelli, Santa Sabina, Bertolli, Coricelli, Sasso, Primadonna und Antica Badia. Ja, ganz richtig, “Industrie”.

Ein Grund dafür, dass die Skandale sich wiederholen, ist, dass der Verbraucher Olivenöl extra vergine möchte – aber möglichst wenig dafür zahlen will. Es ist aber schlicht unmöglich, Olivenöl extra vergine für 4 oder 6 Euro pro Liter im Supermarkt anzubieten. Die Produktionskosten liegen weitaus höher.

 

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Die kleine, familiengeführte Ölmühle kann dem Wunsch der Kunden nach billigem extra vergine nicht entsprechen. Die Industrie – oft laut Etikett mit Firmensitz in der Toskana – allerdings findet Mittel und Wege, geringe Quantitäten italienischen Öls mit großen Mengen ausländischer Ware von minderer Qualität zu mischen und zu niedrigen Preisen zu verkaufen. Die Landwirtschaftsorganisation Coldiretti gibt an, dass die Toskana 4% des italienischen Olivenöls produziert. Aber in der Toskana werden beinahe 40% der italienischen Olivenöle kommerzialisiert.

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Die unabhängige italienische Zeitung “Il Fatto Quotidiano” spricht von einem italo-spanischen Kartell unter Führung der spanischen Firma Deoleo, die wiederum vom Private Equity Fund Cvc kontrolliert wird. Der Fund hat die italienischen Marken Bertolli, Carapelli und Sasso gekauft.

Die Situation ist auch deshalb eskaliert, weil die Olivenernte 2014 wegen “la mosca”, der Olivenfliege, in vielen Regionen fast vollständig ausfiel. Die Nachfrage der Märkte bestand aber und musste – gerade von den großen Unternehmen – bedient werden.

Was tun? Hier sind einfache Regeln, die bei der Entscheidung für ein gutes Produkt helfen sollen:

  • In welchem Behälter wird das Öl angeboten? Olivenöle sind sehr lichtempfindlich und ein durchsichtiger Glas- oder – noch schlechter – Plastikbehälter ist absolut nicht geeignet für die Aufbewahrung und Lagerung.
  • Lest das Etikett: wenn darauf steht “Mischung” und “EU Oliven” oder “außereuropäische Provenienz der Oliven”, lasst die Finger davon.
  • Achtet beim Kauf darauf, dass die Firma auch Produzent ist und nicht nur “Abfüller”.
  • Der Preis für das Produkt spielt natürlich eine erhebliche Rolle: Oliven müssen geerntet werden, oft geht das gar nicht maschinell. Olivenbäume müssen gepflegt, beschnitten, gedüngt und bei Schädlingsbefall gegebenenfalls behandelt werden. Das kostet. Einen halben Liter Olivenöl extra vergine mittlerer Qualität bekommt der Endverbraucher in Deutschland nicht unter ca. € 14.
  • Verwendet Olivenöl, das 2015 als Herstelldatum ausweist. Die diesjährige Ernte war gut und ertragreich.

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Mein Ratschlag an alle, die die Möglichkeit haben: sucht als Produktquellen kleine lokale Hersteller, die auch Abfüller sind. Ihnen ist an der Qualität ihrer Ware gelegen. Und ein Produzent, der von der Qualität seines Produkts überzeugt ist, hat auch keine Angst vor Transparenz. Die Ölmühle Santa Tea in Reggello bei Florenz hat zum Beispiel bereits 2007 als weltweit erste Mühle die ISO Zertifizierung 22.005:07 erhalten, bei der sich der Inhalt einer jeden Flasche bis hin zur Olive auf dem Baum rückverfolgen lässt.


ANTIQUITÄTENMARKT in Arezzo

Was machen wir am Wochenende? Am ersten Sonntag eines jeden Monats und am Samstag davor fällt die Antwort nicht schwer: in Arezzo ist Antiquitätenmarkt, der älteste und immer noch größte Italiens. Es gibt ihn monatlich seit 1968.

An die 300 Händler bieten im Zentrum um die Piazza Grande und den Corso vom alten Grammophon und Comics über Jugendstilmöbel bis hin zu Schmuck alles an, was Omas Dachboden hergibt.

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Antiquitätenmarkt ist an jedem 1. Sonntag im Monat und den Samstag davor

Wobei die Zahl der professionellen Antiquitätenhändler steigt, im Augenblick sind 17 Geschäfte auf dem bunten Flohmarkt präsent.

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Blick auf den Dom vom Rathaus aus, das normalerweise leider nicht für Besucher offen ist

Ich parke an der Stadtmauer bei den scale mobili, den Rolltreppen. Unter den abgestellten Autos sind viele deutsche, schweizer, französische Nummernschilder. Von hier aus gelangt man am bequemsten in die höher gelegene Altstadt. Im Vergleich zu Florenz ist Arezzo viel gemächlicher, wenn man will auch verschlafener, hat aber eine unglaubliche Menge an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Kein Wunder bei seiner 2500jährigen Geschichte, da kommt einiges zusammen. Und noch ein Pluspunkt: man kann die größtenteils autofreie Altstadt zu Fuß in einer halben Stunde durchqueren.

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Die Rolltreppen bringen mich direkt an den Dom, eines der Wahrzeichen von Arezzo. Ihn sieht man schon von Weitem, wenn man von der Autobahn auf Arezzo zusteuert, da er am höchsten Punkt der Stadt liegt. Es brauchte 700 Jahre bis zu seiner Vollendung. Gleich neben dem Dom befindet sich Il Prato, die Wiese. Hier spazieren die Aretiner gerne durch die Parkanlage, vorbei an der monumentalen Petrarca-Statue aus der Zeit des Faschismus und der Medici-Festung aus dem 16. Jahrhundert.

Petrarca-Statue im Park

Petrarca-Statue im Park

Arezzo rühmt sich natürlich zu Recht seines Dichters Francesco Petrarca – dessen Geburtshaus man 2 Minuten vom Prato entfernt besichtigen kann – wobei ich anmerken möchte, dass die Familie Petrarca dann bald nach Incisa in den Valdarno zog.

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Hat im Winter am Wochenende für Degustationen offen – Casa del Vino

 

Am Dom liegt auch das Casa del Vino, eine gute Gelegenheit, sich über die Weine der Gegend um Arezzo ein Bild zu machen und den ein oder anderen zu probieren. Die Weine sind nach den Tälern geordnet, woher sie kommen. Arezzo liegt an der Schnittstelle von mehreren Tälern: Casentino, das etwas entfernte Valtiberina, Valdichiana und Valdarno. Auch aufgrund der strategisch günstigen Lage hat die Stadt seit etruskischen Zeiten zunehmend an Bedeutung gewonnen, bis sie schließlich im 13. Jahrhundert in der Schlacht von Campaldino – an der auch Dante Alighieri teilnahm – dem Rivalen Florenz unterlag. Dante bezeichnet die Aretiner übrigens in seinem “Fegefeuer” wenig charmant als “kläffende Köter”. Es versteht sich von selbst, dass Florentiner und Aretiner sich bis heute nicht grün sind.

Durchgang zur Piazza Grande

Durchgang zur Piazza Grande und der Loggia von Vasari

In wenigen Minuten gehe ich vom Dom zur Piazza Grande, dem zentralen trapezförmigen und ziemlich abschüssigen Platz, der schon den Römern als Forum diente und Drehort von Roberto Benignis Meisterwerk “Das Leben ist schön” war. Der Antiquitätenmarkt ist heute selbst um die Mittagszeit einigermaßen gut besucht, ich höre viele amerikanische und deutsche Touristen heraus.

Piazza Grande und Vasari Loggia

Piazza Grande und Loggia von Vasari

Unter der Loggia von Vasari – der Architekt war ebenfalls ein gebürtiger Aretiner – walkt ein sympathisches Mädchen an einem Tisch vor dem Restaurant La Lancia d’oro unermüdlich Nudelteig, ganz so, wie man sich eine italienische Mamma vorstellt. Ihr herzliches Strahlen überzeugt Scharen von Touristen. Aber ich habe noch zu viel vor, um mich entspannt in die Sonne zu setzen.

Viele Restaurants, Trattorie und Bars buhlen um die Touristen

Viele Restaurants, Trattorie und Bars buhlen um die Touristen

Denn ich will noch zum Corso, der Shoppingmeile der Aretiner, auf der heute natürlich auch Antiquitätenstände aufgebaut sind. Die hochwertigsten Sachen findet man auf der Piazza Grande und am Dom, auf dem Corso sind eher Nippes und Kleinigkeiten, wie Comics, Bücher oder Schallplatten. Trotzdem sollte man immer ein wachsames Auge auf die Stücke werfen, man weiß ja nie. Vor Jahren fand sich einmal ein echter Caravaggio unter den Bildern – heißt es.

Auf dem Corso

Auf dem Corso

Auf dem Corso muss ein Abstecher auf einen Strudel ins Caffè Gli Svizzeri sein, eine der traditionsreichen Bars der Aretiner, deren Geschichte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreicht, als zwei schweizer Familien ihr Glück in Arezzo machten.

caffe svizzeri

Caffè Gli Svizzeri

Langsam füllt sich der Corso, die aretinischen Familien beginnen ihre nachmittägliche vasca – will heißen „sehen und gesehen werden“. Der Antiquitätenmarkt zieht pro Monat zwischen 20.000 und 30.000 Besucher an. Die populärsten Monate sind September und November. Hier findet ihr sicher die passenden Weihnachtsgeschenke!

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Wäre das ein Geschenk?