DAS IST DOCH DER GIPFEL!

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Mehrfach war ich schon am Gipfel des Pratomagno und auch beim Schwert im Stein. Aber immer spielte das Wetter nicht so ganz mit. Heute dagegen ist es perfekt. Wenn im Tal unten an die 40 Grad herrschen, duftet die frische Luft auf 1000 Metern Höhe nach Tannenzapfen, dann nach Buchen. Die erste Strecke führt durch den Wald. Aber irgendwann erreicht man die Baumgrenze und hier wirds überirdisch schön: Schwärme von Weißlingen und anderer Schmetterlinge flattern durch die Luft wie Fische im Meer.

Unter dem Tritt ist das Gras des “Pratomagno” – der großen Wiese – unendlich weich und gar nicht stoppelig wie man meinen könnte. Als ob man auf Moos geht. Auf der Wanderung habe ich ganz wenige Menschen getroffen, die ich mühelos an den Fingern einer Hand abzählen konnte (am Berg gehts viel bergauf und das ist anstrengend, vielleicht ist das ein Grund?), aber einer lief barfuß und das fand ich interessant.

Nachdem das Schwert im Stein erreicht war, fiel das Gipfelkreuz ins Auge. Wieso nicht dahin? Ziele braucht der Mensch. Also weiter, sehr steile Wellen hoch, über Wiesen, deren Farben sich ins Ocker stülpten. Ein Frieden, da oben, dass man die Welt vergisst. Nur die Wolken rücken nahe, werfen riesige Schatten, die die Temperatur sofort herunterkühlen. Nahe dem Gipfel bei fast 1600 Metern nimmt der Wind zu.

Drei Stunden bin ich mittlerweile unterwegs. Nur mit einer Halbliterflasche Wasser, denn Essen hatte ich vorsorglich nicht mitgenommen – ich wollte ja “nur kurz hoch auf den Berg schauen”. Doch der Berg hat wie immer andere Pläne als man selbst. Was tun? Eine halbe Stunde vom Gipfelkreuz entfernt liegt das Restaurant “Chalet da Giocondo” einsam an der einzigen Schotterstraße im Wald, die den Bergrücken durchzieht. Ob es überhaupt offen hat? So unter der Woche?

Es hat und die Wirtsleute sind immens freundlich und die Polenta mit Pilzen ein Gedicht. Auch die Tagliata (gebratenes, in Streifen geschnittenes Rindfleisch mit Öl und Rosmarin). Da die Kniee maulen und müde in den Gelenken schlenkern, will ich mir für den Rückweg das Auf und Ab des Kamms sparen und über die Straße zurück. Außenrum dauert länger als obendrüber und nach zwei Stunden war ich immer noch etliche Kilometer vom Auto entfernt. Hätte sich nicht ein altes Pärchen in einem winzigen Panda erbarmt, das auf der staubigen Straße anhielt und mich fragte, ob sie mich mitnehmen könnten, wäre ich wahrscheinlich immer noch unterwegs.

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