DER ENGLISCHE FRIEDHOF: Minderheiten in Florenz

Share on FacebookTweet about this on TwitterPin on PinterestPrint this pageEmail this to someone

Am Piazzale Donatello erhebt sich mitten im Florentiner Großstadtverkehr ein Hügel wie eine Insel. Es heißt, unter dem Hügel könnte sich ein Etruskergrab verbergen. Hier, außerhalb der Stadtmauern, war im Jahr 1837 von der Schweizer Reformierten Evangelischen Kirche Terrain erworben worden, um die nicht-katholischen Ausländer zu bestatten. Vorher konnten Angehörige nicht-katholischen oder jüdischen Glaubens nur in Livorno ihre letzte Ruhe finden.

cimi01

Die ovale Form des Friedhofs geht auf Giuseppe Poggi zurück, der die Stadtmauer einreißen ließ, als Florenz 1865 Hauptstadt Italiens wurde.

Das Oval wird an der Spitze des Hügels durch eine von Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV gestiftete Säule gekrönt. Von hier gehen kreuzförmig vier Straßen ab und unterteilen den Hügel in vier Bereiche. Im Jahr 1877 wurde verfügt, keine neuen Gräber mehr zuzulassen, weshalb der Friedhof bis heute sein Aussehen aus dem 19. Jahrhundert beibehalten hat. Da die meisten (760) englische Grabstätten waren, wurde der Friedhof von den Einheimischen “Englischer Friedhof” genannt, obwohl er eigentlich eine Schweizer Einrichtung ist.

julia

Auch Dank der Hilfe von mehreren Roma, die die Grabstätten restaurieren, hält Ordensschwester Julia Bolton Holloway den Friedhof so gut wie möglich instand. Sie unterrichtet die Kinder der Roma im Lesen und Schreiben.

Die Hüterin des Ortes ist heute Schwester Julia Bolton Holloway, der man ihre beinahe 80 Jahre keineswegs ansieht, wenn sie mit kindlicher Verve die Geschichten der ihr so vertrauten Dichter, Künstler und Wissenschaftler erzählt, deren Leben sich im Laufe des 19. Jahrhunderts oft berührt und gekreuzt haben.

cimi02

Einige der Zypressen von Böcklins „Toteninsel“ kränkeln am Zypressenkrebs, sichtbar an den braunen, wie verbrannten, Stellen.

Hier befindet sich das Grab der englischen Dichterin Elizabeth Barrett Browning. Sie schrieb in den Jahren der wilden Industrialisierung vehement gegen Sklaverei und Kinderarbeit an, thematisierte die Rolle der Frau und engagierte sich für die italienische Einheit.

Mit dem Englischen Friedhof ist auch der Schweizer Symbolist Arnold Böcklin eng verbunden. Hier liegt seine Tochter Maria begraben. Der Ort hat ihn zu seinem bekanntesten Gemälde, die “Toteninsel” inspiriert, die er obsessiv in fünf Versionen malte.

cimi04

(Heute kann man sich übrigens wieder auf dem Englischen Friedhof bestatten lassen).

Ein sehenswerter Ort, eine Insel der Besinnung mitten im rauschenden Verkehr der fast 400.000 Einwohner zählenden Stadt Florenz, wo das milchige Weiß des Marmors, die antikisierenden Grabmäler und schlank aufragenden dunklen Zypressen an die Zeit des 19. Jahrhunderts erinnern, als der Stadtkern zu fast einem Viertel von Ausländern bewohnt wurde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

neun + vier =