WIEDER BEINAHE EIN GIPFELSTURM – das Zauberschwert

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Nach mehreren verregneten Tagen denke ich mit einem Blick zum morgendlichen kornblumenblauen Himmel, heute ist der ideale Tag um endlich zum Gipfelkreuz des Pratomagno zu wandern.

Und damit ich mich nicht verlaufe, beschließe ich, den Panoramaweg 00 zu nehmen, der den Bergrücken entlangläuft. Es kann gar nichts schiefgehen, denke ich noch.

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Anciolina liegt auf 933 Metern ü.d.M. und wurde bereits in den Zeiten vor den Etruskern bewohnt.

In Loro Ciuffenna fahre ich hoch in die Berge, immer Richtung Anciolina. Das 933 Meter hohe Dorf klammert sich an die Hügelklippe. Zwanzig Einwohner leben hier, es gibt einen Dorfladen und viele Schwalben.

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Hier liegt einem der Valdarno zu Füßen

Die immer noch passable geteerte Straße führt weiter den Berg hinauf und an einer Gabelung geht es rechts nach Arezzo und links in Richtung Pratomagno. Ich halte mich links und nach wenigen Kilometern erreiche ich die Picknickinsel I Frasseti.

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Von hier aus beginnt der Aufstieg „Benvenuto“ zum Panoramapfad 00. Parkmöglichkeit ist vorhanden.

Hier beginnt der Aufstieg zum Gipfel über den Pfad “Benvenuto”, was ich schon einmal als gutes Omen deute, obwohl der Anstieg durch den dichten Kiefernwald zunächst sehr steil ist. Aber ich muss ja schließlich erst einmal hoch auf den Bergrücken. Der Sturm vom 5. März 2015 hat auch an dieser Stelle erhebliche Spuren hinterlassen. Der Weg, der in kurzen Serpentinen in die Höhe führt, ist zwar nicht besonders gut gekennzeichnet, man sieht ihn aber schon. Ab und zu klettere ich über einen entwurzelten Baum.

Dann bin ich oben und der Himmel, der vorhin in Anciolina noch postkartenblau war, zieht sich zu. Der Weg 00 ist bisweilen ein Pfad, oft jedoch auch breit und immer gut gekennzeichnet, so dass man sich nicht verlieren kann.

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Ein Blick hinunter auf die kleinen Bergdörfer hinter Loro Ciuffenna. Ein Tagesausflug in die „Schweiz der Toskana“ lohnt sich. Unbekannte kleine Weiler, tolles Essen in den einfachen Osterie und gut ausgeschilderte Wanderwege erwarten Sie.

Die Singvögel zwitschern lustig, nur der Kuckuck klingt ein bisschen höhnisch, als ich in Richtung Gipfelkreuz schaue, das von Wolken verschluckt ist.

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Oben angekommen sind die Aussichten wolkig.

Ganz langsam schwant mir ein Déjà-vu zur Wanderung im Oktober, als ich den Gipfel im dichten Nebel fast verfehlt hatte. Die Wolkenschwaden spinnen den Bergrücken mehr und mehr ein und es beginnt zu regnen.

Ich bin jetzt schon gut eineinhalb Stunden unterwegs und überlege, ob es Sinn macht weiter zu laufen. Zwar ist Feuchtigkeit gut für die Haut, aber ob das als Argument wirklich so doll ist beginne ich zu bezweifeln. Das Gipfelkreuz scheint nicht näher kommen zu wollen.

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Der Weg ist gut, das Wetter weniger

Der schmale Pfad mündet in einem Waldstück in einen breiten Weg, der vom Monte Lori hochführt und dann sehe ich einen Hinweis, den ich jahrelang gesucht hatte: hier geht’s zum Schwert, das in Steine einzementiert wurde. Lanzelot lässt grüßen.

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Nur fürs geübte Auge zu erkennen: in der Wiese vor dem Waldstück steckt das Schwert.

Auf dem Pratomagno gibt’s natürlich kein Königreich zu erobern und auch keinen Gral, aber immer mal wieder hatte ich von dem Schwert auf dem Pratomagno gehört. Nur dass auch fleißige Wanderer mir nie erklären konnten, wo genau es sich nun befand.

Auf einer grasbewachsenen Hügelkuppe, die sicher auch eine tolle Aussicht geboten hätte, so es denn ein sonniger Tag gewesen wäre, erkenne ich nach genauerem Suchen das Schwert.

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Die Kletterwand Gubbiana über Anciolina

Ich beginne den Abstieg, zurück durch das Gatter, das vor weidenden Rindern warnt (wobei ich heute keine gesehen habe und normalerweise sind die Rinder auf dem Pratomagno sehr friedlich, wenn man sich ruhig und bestimmt bewegt). Vorbei auch an der steilen Bergwand der Gubbiana, wo man Bergklettern trainieren kann.

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Das Gipfelkreuz bleibt ein Traum.

Der Regen nimmt zu, aber wenn ich zum Gipfel schaue, sehe ich, dass dort mittlerweile besseres Wetter herrscht. Es wird die Wolke Fantozzis sein, die mich verfolgt (Fantozzi ist eine tragikomische literarische Figur in Italien, die von Paolo Villaggio erdacht und vom Schicksal regelmäßig überfahren wurde, so dass sogar eine Regenwolke sich an ihre Fersen heftet). Der Kuckuck ruft mittlerweile so oft hintereinander, dass es sich anhört, als habe er Schluckauf. Nach gut einer Stunde Abstieg bin ich vollständig durchnässt wieder am Auto. Als ich ins Tal fahre, reißt die Wolkendecke auf, als wäre der schönste Sommertag.

 

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