FREITAG DER SIEBZEHNTE oder ach, die italienische Bürokratie

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In Italien muss man sich nicht vor der Dreizehn hüten, sondern vor der Siebzehn. An einem Freitag den Siebzehnten fährt man am besten ans Meer, legt sich auf die Strandliege, wo man höchstens Gefahr läuft, beim Umdrehen von der Liege in den Sand zu plumpsen, was normalerweise keine schwerwiegenden Konsequenzen nach sich zieht. Eher unterlassen sollte man an einem Freitag den Siebzehnten an einer öffentlichen Ausschreibung teilzunehmen.

Italien – das ist hinreichend bekannt – hat ein Problem mit seiner Bürokratie. Wäre Kafka nicht so oft in Oberitalien hängengeblieben, sondern weiter in die Toskana gereist, er hätte außer “Das Schloß” mühelos auch “Der Wintergarten”, “Das Teehaus” und drei weitere Dépendancen schreiben können.

Die Ausschreibung soll am Vormittag des Siebzehnten online gehen. Um 13:25 Uhr tut sie das auch. Es ist Freitag Nachmittag, die Zeit drängt, und um 15 Uhr beginnt das Europameisterschaftsspiel Italien gegen Schweden. Ein perfektes Timing.

Um an einer öffentlichen Ausschreibung in Italien teilzunehmen, muss man sich erst im telematischen System registrieren, logisch. Dann fahre ich die 50 Kilometer bis nach Arezzo zur Industrie- und Handelskammer, wo ich mir für 25 € die digitale Unterschrift in Form einer Karte besorge, die sich “Smart card” nennt. Der Name ist Programm. Zur Karte gehört ein Kartenleser, der aber nicht von der IHK verkauft wird und den ich mir für 15 € in einem Elektronikmarkt hole.

Zuerst gebe ich bei der Ausschreibung die allgemeinen Daten der Firma ein, Adresse, Berufsstand etc. Das Programm glaubt mir nicht, dass ich an meiner Adresse wohne und setzt mich immer wieder auf Anfang zurück. Eine bewährte Strategie in Italien ist das sture Beharren auf Positionen. Und in der Tat, nach rund fünfzehn Speicherungen meines Wohnorts gibt das Programm auf und akzeptiert, dass ich tatsächlich hier wohne. Es sind die kleinen Siege, die mich Hoffnung schöpfen lassen.

Damit der Kartenleser der digitalen Unterschrift funktioniert, muss man sich je nach PC oder Mac die passende Software herunterladen. Ich lade sie alle der Reihe nach herunter und probiere sie aus, aber die Smart Card verweigert sich. Gott sei Dank gibt’s für diesen Fall eine Rufnummer, die “Assistenza” bis 18 Uhr zusichert. Das Spiel Italien – Schweden hat begonnen. Ich hänge fast zehn Minuten in der Warteschleife, die mich über die Kosten des Services informiert (mit denen man wahrscheinlich in einem Monat ein Krankenhaus in Afrika finanzieren könnte). Schließlich meldet sich ein freundlicher Filippo, der mir versichert, das Installieren sei ein Kinderspiel. Ich atme erleichtert auf.

Leider werden wir in diesem Moment unterbrochen, da mein Handyguthaben aufgebraucht ist und ich mache mich auf den Weg in die nächste Bar, um das Handy wiederzubeleben. Zurück am Computer warte ich wieder zehn Minuten und diesmal antwortet freundlich Daniele und so erzähle ich Daniele mein Problem. Als ich am Punkt ankomme, an dem ich mit Filippo verblieben war, ist das Guthaben des Handys wieder am Ende und das Gespräch beendet. Daniele ist aber sehr nett und ruft zurück und stellt klar, dass ich ein Problem mit der Software habe.

An diesem Punkt halte ich es für angebracht, einen Computerspezialisten zu konsultieren. Ich beschließe, in die rund zwanzig Minuten entfernte nächste Stadt zu fahren. Es ist nach 16 Uhr und die Partie steht immer noch Null zu Null. Der Computerspezialist ist sehr bemüht und nachdem er alle Softwares durchprobiert, hat kommt er zu dem Schluss, dass mein Kartenleser nicht funktioniert. Er gibt mir den wohlmeinenden Rat, ins Krankenhaus zu fahren – in diesem Moment höre ich aus den umliegenden Häusern einen Jubelschrei, Italien liegt vorne. Die Kartenleser des Gesundheitssystems seien die einzigen, die sicher funktionieren würden.

Es ist 17:30 Uhr, als ich die Nummer im Krankenhaus ziehe und mich dann in die Warteschlange einreihe. Der freundliche Herr am Schalter fragt mich gleich, ob meine elektronische “Tessera sanitaria” aktiviert sei und als ich verneine meint er, dass er mir dann keinen Kartenleser verkaufen kann. Leuchtet ein.

Es bleibt der Weg zu einem Geschäft für Computerzubehör, doch als ich berichte, dass mein Kartenleser nicht funktioniert, meint die nette Bedienung, da sie korrekt sei würde sie mir lieber keinen Kartenleser verkaufen, ich könne mir denken warum.

Ja, das kann ich. Als letzten Ausweg fahre ich zum Designer-Schreibwarenladen, kaufe für 28 € den Porsche unter der Kartenlesern, der sicher auch Rasenmähen und Abwasch machen kann und kehre zurück zum Computerexperten. Mit dem Porsche-Kartenleser funktioniert die digitale Unterschrift tadellos, um kurz vor 20 Uhr bin ich zuhause und schicke mein Angebot ab. Ach ja, Italien hat gewonnen.

Übrigens habe ich den Verdacht, dass das alles weder mit Freitag noch mit der Siebzehn zu tun hat.

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