DER KLEINE „GRAND CANYON“ DER TOSKANA

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Ich nenne sie “balze” wie im Italienischen, die Sedimente aus Stein, Lehm und Sand, die den Valdarno an manchen Stellen wie eine Miniatur des “Grand Canyon” erscheinen lassen. Es klingt viel schöner als „Sandsteinsedimente“ oder ähnliches. Vor Jahrmillionen war der Valdarno einmal ein See. Die Sedimente, die er zurückließ, machen den Valdarno zu einer einzigartigen Landschaft, die schon Leonardo da Vinci faszinierte. Im Hintergrund der Mona Lisa sind die balze zu sehen.

Die einfache Wanderung, die auch ideal für Kinder ab ca. 6 Jahren und Hunde ist, dauert ca. 2-3 Stunden und beginnt am Turm in Castelfranco, wo man auch parken kann.

Der Wachtum von Castelfranco

Der Wachturm von Castelfranco

Castelfranco, ausgezeichnet als eines der 100 schönsten Dörfer Italiens, wurde von einem der Star- Architekten der Frührenaissance, Arnolfo di Cambio, neu entworfen. Florenz wollte seinen Einfluss festigen und ließ deshalb neue Siedlungen bauen, in denen die Leute 10 Jahre steuerfrei leben konnten.

Castelfranco erinnert an ein römisches Castrum, mit seiner zentralen piazza, und dem rechtwinkligen Straßenraster. Auch Teile der Stadtmauer sind noch erhalten.

Stadtmauer

Stadtmauer

Durch das Tor gehe ich zur piazza und dann nach rechts, verlasse Castelfranco durch das Osttor und biege sofort wieder rechts in die “Via delle balze” ein. Der Weg schlängelt sich bisweilen am Abgrund entlang. Oft gibt es Erdrutsche, die balze sind nicht besonders stabil. Regengüsse tun ein Übriges, dass sie langsam aber sicher erodieren.

Ende Oktober beginnt die Olivenernte, das beherrschende Thema in den kommenden Wochen. Die Familien ernten oft noch im traditionellen Stil, breiten Netze unter den Bäumen aus und kämmen mit kleinen Rechen die Oliven vom Baum.

Ende Oktober bis Ende November werden die Oliven geerntet

Ende Oktober bis Ende November werden die Oliven geerntet

Dann wird die Straße abschüssig und sofort bin ich mitten in den balze. Ein Hauch Arizona und Spaghetti-Western in der Toskana – wobei heute auch die Temperaturen passen, ich bin noch im T-shirt unterwegs.

Klein-Arizona in der Toskana

Klein-Arizona in der Toskana

Ganz unten vor einem Haus biege ich nach rechts auf einen kleinen Pfad ins grüne Dickicht ab und gelange bald an einen Bach, den ich überquere und der dann mein ständiger Begleiter neben meinem Weg ist.

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Der Weg ist schattig und auch im Sommer angenehm kühl. Rechter Hand erhasche ich immer wieder herrliche Blicke auf die balze. Der Weg wird breiter, befahrbar, vereinzelte Häuser tauchen auf. Dann gelange ich an eine Kreuzung: rechts geht es zu einer viel befahrenen Straße mit Industriehallen.

Der Weg aber führt nach links, vorbei an einer Hundeschule, die nicht zu übersehen und -hören ist. Dies ist der schönste Teil der Wanderung. Das Tal öffnet sich und gibt den Blick frei auf die balze, umgeben von Wiesen und Weinbergen, ein Traum!

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Ich folge dem Hinweisschild zu einem Agriturismo Osteria “Le balze”, wo man übrigens auch eine Pause einlegen und eine super Antipasti-Platte genießen kann (besser vorher anrufen). Wenige Meter vor dem Eingang zur Osteria biege ich nach rechts ab und überquere ein Bächlein.

Blick zurueck

Nach einer Pappelreihe, die den Wegrand säumt, lohnt sich ein Abstecher nach links zu einer kleinen Höhle. Als es noch keine Kühlschränke gab, wurden hier auch Lebensmittel gelagert.

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Dann beginnt der Anstieg durch eine von allen Seiten zugewachsene, hohle Gasse. Es führt – frei nach Schiller – kein anderer Weg nach Piantravigne. Am Brunnen am Ortseingang geht es nach links in die dem Ort entgegen gesetzte Richtung. Nach wenigen Minuten gelange ich an die kurvenreiche Provinzstraße Setteponti und sehe den Ort Certignano.

Blick von Piantravigne Richtung balze

Blick von Piantravigne Richtung balze

Vor der letzten Kurve, an der zur Zeit eine Ampel steht, empfehle ich über einen kleinen Pfad linkerhand abzukürzen. Dann sieht man nämlich nicht nur eine alte steingemauerte Brücke, sondern auch einen wunderschönen Pizzaofen.

Pizzaofen

Pizzaofen

In Certignano hat ab 15 Uhr die Fattoria geöffnet und wer mag, kann hier die lokalen Weine probieren. Die Weinberge der Fattoria sind übrigens die, die ich vorhin unten bei den balze gesehen habe. Certignano ist ein gepflegtes und gut restauriertes Dorf, das auch einen kleinen Abstecher lohnt.

Das letzte Stück des Wegs zurück nach Castelfranco gehe ich entlang der Via dei Setteponti. Das ist zwar nicht so schön, wie auf einem autofreien Weg, aber bequem. Eine Mini-Kapelle am Wegrand bietet außerdem Unterschlupf, sollte es regnen. Darin befinden sich zwei glasierte Keramikmadonnen, eine Technik, die von der Familie der della Robbia im 15. Jahrhundert entwickelt wurde.

Madonnen am Wegrand

Madonnen am Wegrand

In Castelfranco sehe ich schon von Weitem den Glockenturm der Badia a Soffena. Falls man das Glück hat, einen Blick ins Innere erhaschen zu können, sollte man sich die Fresken der Kirche keinesfalls entgehen lassen – gemalt unter anderen vom Bruder Masaccios, der von allen “Lo scheggia”, (der Splitter) gerufen wurde.

Badia a Soffena

Badia a Soffena

Bei den Carabinieri biege ich nach links in die kerzengerade Hauptstraße ein, an deren Ende ich den Uhrtum sehe. Auf der piazza gönne ich mir einen spuntino (Happen), während die englischen Touristen neben mir die Eisbecher leeren.

Castelfranco

Castelfranco

Leichte Wanderung – ca. 2-3 Stunden – geeignet für Kinder ab 6 Jahren.

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